Hanns Georg Heintschel-Heinegg

Student der Theologie, Dichter. Widerstandskämpfer. Hingerichtet.

* 1919   † 1944

 

Lebenslauf

Hanns Georg Heintschel-Heinegg wurde am 5. September 1919 in Kněžice, Tschechoslowakei, geboren. Er entstammte einer aus Heinersdorf an der Tafelfichte stammenden österreichischen Wollwarenfabrikantenfamilie. Sein genauer Geburtsort ist Schloss Kněžice im Böhmerwald, das die Familie 1897 erworben hatte. Er hatte drei Schwestern. Seine Eltern mussten ihre Güter Kněžice, Žíkov und Strunkov im Jahre 1926 wegen Überschuldung verkaufen. Die Familie übersiedelte darauf hin nach Wien. Hanns Georg besuchte dort die Schule.

Begeisterung für deutschsprachige Literatur, Priesterseminar, Widerstand

In den 1930er Jahren kam er ans Theresianum. Er begann sich in dieser Zeit bald für deutschsprachige Literatur zu begeistern, und trat nach der Matura 1937 in das Priesterseminar Canisianum in Innsbruck ein. Der Anschluss Österreichs an das deutsche Jahr 1938 zwang ihn dazu, das Studium der Theologie abzubrechen. Er schloss sich in Wien der österreichischen Widerstandsbewegung um Roman Karl Scholz an. Dieser war Augustiner-Chorherr in Klosterneuburg, und gründete die erste Widerstandsgruppe in Österreich im Jahre 1938, gemeinsam mit Viktor Reimann, der als Journalist, Schriftsteller und politisch ambitioniert wirkte. Mitglieder der Widerstandsgruppe waren auch die Burgschauspieler Fritz Lehmann und Otto Hartmann. Hartmann war allerdings ein Spitzel und verriet die Gruppe der Gestapo.

Verhaftung, Schreibverbot als Marter

Hanns Georg Heintschel-Heinegg wurde am 23. Juli 1940, nur einen Tag nach Roman Scholz verhaftet. Den Großteil der Zeit, die er in Gefängniszellen verbrachte, erlebte er als enorme Belastung. Insbesondere das Schreibverbot war für den jungen Mann, der Gedichte liebte und verfasste, eine Marter. In Anrath, gelegen in Nordrhein-Westfalen, erlebte er zwei Phasen der Haft. Nur in Krefeld, wohin er zwischendurch verlegt worden war, fand er zwischenzeitlich Zeit, sich seiner Notizbücher zu widmen, die er rasch von Gedanken durchflutet voll schrieb.

Seine Gedichte wurden 1947 vom Querschnitt Verlag in Graz veröffentlicht. Das Buch trägt den Titel “Vermächtnis”.

Aus dem Gedichtband “Vermächtnis” von Hanns Georg Heintschel-Heinegg:

Komm, o Heiland, komm und tröste,
Reiche mir das Kreuzesholz.
Denn von ihm sind wir Erlöste,
Da es brach der Sünde Stolz.
Komm und lass es mich umfangen,
Dass ich aus dem bittren Tod
Kann des Lebens Frucht erlangen.
Sei mein Stab in dieser Not.

Sei mein einziges Gewissen,
Wenn die Nacht mein Herz umflicht,
Meinem Geist ein Ruhekissen,
Wenn die Welt ihr Glück verspricht.

Not und Tod muss vor Dir weichen,
Hoffend halte ich mich an.
Ernstes, stummes Kreuzeszeichen,
Segne mich und meine Bahn!

Todesurteil und Hinrichtung

Im Februar 1944 wurde er von einem in Wien tagenden Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und am 5. Dezember 1944 hingerichtet.

Aus dem Tonband der Gestapo Wien v. 1.-2.8.1940

“Die Genannten sind geständig, Mitglieder der in Rede stehenden Geheimorganisation, die die Schaffung eines “Großösterreichischen” Staates im beiläufigen Ausmaß der seinerzeitigen österreichisch-ungarischen Monarchie zum Ziele hatte, gewesen zu sein. Einzelne der vorgeführten Personen haben Flugzettel separatistischer Tendenz hergestellt und verbreitet (…) Von den Angehörigen der Gruppe werden Besprechungen über die Durchführung von Anschlägen auf wichtige Objekte (z.B. ein Wehrmachtsdepot a.d. Peripherie von Wien, auf das Gaswerk Wien-Floridsdorf usw.) abgehalten.”

Würdigung und Gedenken

Die katholische Kirche hat Hanns Georg von Heintschel-Heinegg als Glaubenszeugen in das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts aufgenommen.

Gedenktafel im Minoritenkonvent, Alser Straße 17, gestiftet vom Anrather Kreis

Gedenktafel in der Wohllebengasse 7, wo Hanns Georg von Heintschel-Heinegg gewohnt hat

Gedenkort

Im ehemaligen Hinrichtungsraum des Wiener Landesgerichts findet sich sein Name auf einer der Gedenktafeln.

Gedenktafel auf der Gruppe 40

Sein Name befindet sich auf einer Gedenktafel, die am 27.10.2015 feierlich auf der Gruppe 40 enthüllt worden ist.

Die Gedenkstätte auf der Gruppe 40, Zentralfriedhof

Gruppe 40, Reihe 32, Nr. 198

Weblinks und Quellen

Wir erinnern uns

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